Vorbericht zum Relegationsspiel der Damen I gegen SFN Vechta

Der letzte Strohhalm
Die TS-Handballerinnen spielen nochmal Relegation, doch niemand weiß, ob das Ergebnis eine Bedeutung hat

Nach dem unglücklichen Scheitern in zwei Relegationsspielen gegen den HV Chemnitz bietet sich den Bundesliga-Handballerinnen der TS Herzogenaurach am Samstag, 5. Mai, um 16 Uhr in der Gymnasium-Sporthalle eine letzte vage Chance, doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.

Es ist nur eine schwammige Chance für die TS: Denn von Verbandsseite ist noch immer nicht geklärt, ob der Gewinner der Spiele tatsächlich in der 3. Liga bleiben kann. Hier spielen äußere Umstände eine entscheidende Rolle, denn wenn sich – wie geschehen – mehrere Mannschaften aus der 2. Liga zurückziehen, müssen diese eine Etage tiefer regional verteilt werden.

Der Relegations-Gegner ist der Westvertreter SFN Vechta, der sich dem Nordvertreter Altlandsberg mit drei Toren beugen musste. Vage ist die Chance auch, weil die Ausgangssituation für das Team von der Aurach nicht schlechter sein könnte. Während der Gegner in den vergangenen Wochen richtig in Fahrt gekommen ist, müssen die Herzogenauracherinnen eine Akteurin aus der zweiten Mannschaft dazu holen, um wenigstens antreten zu können.

Es fehlt unter anderem fast die komplette erste Sechs, denn Sarah Stephan und ihre Vertreterin Amelie Theobald werden ebenso fehlen wie Saskia Probst (Fußverletzung), Lisa Neumann ist noch nicht aus dem Urlaub zurück, Jana Lichtscheidel mit Kreuzbandriss sowieso schon seit Monaten außer Gefecht, ebenso Steffi Mittasch und selbst Laura Wedrich ist angeschlagen.

Wie geht es Alina Erdmann?

Auch wissen die Trainer Klaus Watzinger und Mirko Scholten nicht, wie es um Alina Erdmann bestellt ist, die sich vor dem Dienstag-Spiel krank meldete. Daher gibt man sich auch keinen Illusionen hin: "Wir müssen versuchen, es irgendwie hinzukriegen", so Watzinger. Freiwillig verzichten war aber für den "harten Kern" um Kristin Lang, Laura Wedrich und Nina Bestle ebenso wenig eine Option wie für die Trainer. Dass die Saison fast drei Wochen länger dauert als vorgesehen und einige Spielerinnen ihren privaten Planungen und Verpflichtungen nachkommen, ist nachvollziehbar, immerhin erhält niemand von ihnen eine Aufwandsentschädigung.

Allein die ersten zwei Spiele gegen Chemnitz unmittelbar nach dem letzten Punktspiel hätte man bei der gemeinsamen Planung aber im Auge behalten müssen, zumal sich seit Wochen abzeichnete, dass man diesen Strohhalm ergreifen muss. Relegationen sind nicht unüblich, und genau hier wäre in der zuletzt bestmöglichen Besetzung, also mit Ebersberger im Tor und Lisa Neumann im Rückraum, ein Weiterkommen gegen Chemnitz mehr als wahrscheinlich gewesen.

Dynamischer Angriffshandball

Nun jedoch erwartet man einen Gegner, der nach Betrachten von drei Spielen in der regulären Saison in der Süd-Liga sicher im ersten Drittel gelandet wäre. Das Team um Linkshänderin Tina Schwarz zeigt einen dynamischen Angriffshandball und ist auf allen Positionen ausgezeichnet besetzt. Dass sie in der Abwehr etwas weniger stabil wirken als zum Beispiel Chemnitz, machen sie mit hoher Offensivqualität mehr als wett. Einsatz und Moral kann die TS jedoch auch gegen Vechta von den Unentwegten voraussetzen, die es sogar auf sich nehmen am Donnerstag die rund sechs Stunden Busfahrt nach Vechta zwecks Rückspiel auf sich zu nehmen.

Die erhebliche Verletzungsphase über den Winter hinweg ändert nichts daran, dass das Team das Format gehabt hätte, in der 3. Liga erfolgreich zu bestehen. Dass es wohl doch nicht ganz reicht, ist nicht nur auf die nur anfangs mangelnde Erfahrung und einzelne, aber schwerwiegende mentale Schwächen zurück zu führen. Hier wird man sicher noch Ursachenforschung betreiben müssen.

VOLKER SCHNELLER