Bericht vom Relegationsspiel der Damen in Chemnitz

Abgestiegen, zumindest vorläufig: Kristin Lang und die TSH machten zu wenig aus ihren Torchancen © Foto: Athina Tsimplostefanaki

Die verflixten letzten Minuten
Herzogenaurachs Handballerinnen scheitern an altbekannten Schwächen

Dramatik pur, aber mit einem bitteren Ausgang für die Handballerinnen der TS Herzogenaurach: Mit 17:16 (Halbzeit 11:9) hat das Team zwar das Relegations-Rückspiel beim HV Chemnitz gewonnen. Doch den Verbleib in der 3. Liga hat die TSH aufgrund des Torverhältnisses nach der 24:26-Hinspielniederlage verpasst.

War das der endgültige Abstieg für die TSH? Eine Frage, die sich momentan nicht beantworten lässt. Denn sie ist vom Verband auch jetzt noch nicht geregelt, es bleiben also weitere unruhige Tage für all jene die sich zusammen mit dem Team nebst Trainern über zehn Monate hinweg mit Haut und Haaren um eine erfolgreiche Bundesliga-Premiere bemüht hatten.

Es ist müßig zu spekulieren, ob man den Klassenerhalt schon in Herzogenaurach liegen gelassen hat oder der Ausgang vielleicht doch erfolgreich gewesen wäre, wenn man am Dienstag im Rückspiel nicht unter anderem drei Strafwürfe vergeben hätte. Fakt ist, dass das Team eine beispiellose Moral zeigte und dem Gegner nebst über 500 lautstarken Zuschauern heftig zusetzen konnte, basierend auf eine großartige Abwehrleistung mit einer wirklich überzeugenden Torfrau Juliane Gerling.

0:2 lautete es in Chemnitz nach drei Minuten, beide Male war Saskia Probst, an diesem Tag wirkungsvollste Feldspielerin auf dem Platz, erfolgreich. Dass sie fünf Minuten vor dem Abpfiff mit einer ernsten Fußverletzung ausfiel, ist ein neuerlicher Rückschlag für sie und die TSH. Wie stark man in der Defensive arbeitete, zeigt die Tatsache, dass die Gastgeberinnen erst in der siebten Spielminute zum 1:2 verkürzen konnten.

Dennoch schaffte es die TSH die gesamte erste Hälfte zu dominieren und führte in der 26. Minute sogar mit 10:6 Toren, obwohl da schon gute Möglichkeiten zur Vorentscheidung vergeben wurden. Natürlich ist es unter dem Druck und vor dieser Zuschauerwand nicht einfach durchgängig stabil zu bleiben, und so konnte sich das erfahrene Gastgeberteam letztlich auf Tuchfühlung herankämpfen.

Schiedsrichter mit Umsicht

Zwei hervorragende Schiedsrichter sorgten mit Umsicht für einen diesmal fairen Spielverlauf, in welchem die TSH auch nach dem Wechsel immer wieder mit zwei Toren in Front blieb. Doch es zieht sich wie ein roter Faden durch das letzte Viertel dieser Saison, je näher die Entscheidung naht, desto mehr zeigen die Gäste Unsicherheiten, und so gelang es nie auf drei Tore davonzuziehen, obwohl sich dazu genügend Möglichkeiten boten.

Ein Beispiel waren die letzten 40 Sekunden, als man mit zwei Toren (15:17) in Front lag und Ballbesitz hatte. Auf dem Wege zum finalen Angriff, es war ja für die Endabrechnung noch ein Treffer erforderlich, erfolgte ein fataler Fehlpass, den der HV zum für sie erlösenden 16. Tor nutzte. Obwohl die personelle Situation mit weiteren "unbezahlten Überstunden" eine extreme Mehrbelastung für die sowieso dezimierte Stammformation bedeutete – auch diesmal waren Lisa Neumann und Martina Ebersberger nicht dabei, Alina Erdmann fehlte kurzfristig – war es imponierend, wie sich die Protagonistinnen zur Wehr setzten. Diese Moral aber wurde erneut durch mentale Schwächen in entscheidenden Phasen nicht vom Erfolg gekrönt. "Ärgerlich, eigentlich hatten wir den Gegner fast schon am Boden, doch erneut hatten wir rund 15 Minuten wo wir verkrampften statt cool zu bleiben und uns über die ausgezeichnete Moral zu belohnen", haderte Trainer Klaus Watzinger.

Nachdem die TSH im ersten Viertel der Saison in Sachen Härte und Tempo Lehrgeld zahlen musste, folgte das zweite Viertel mit fast durchgängig großartigen Leistungen und auch zählbaren Erfolgen. Es war eindrucksvoll wie sich das Niveau jeder Akteurin ebenso wie das Mannschaftsspiel entwickelt hatte. Als sich jedoch nach dem Jahreswechsel die Verletzungen von Leistungsträgerinnen häuften, mussten Team und Trainer immer wieder improvisieren, was sich auch auf die Ergebnisse auswirkte.

Und dennoch zeigte man größten Einsatz, konnte man fast jedem Gegner Paroli bieten und auch manchen Punkt gewinnen. Allein die mentalen Aussetzer, im Spätherbst eigentlich überwunden, machten allen Beteiligten speziell im letzten Saisonviertel manchen Strich durch die Rechnung. So gesehen waren die Relegationsspiele ein Spiegelbild der vergangenen Monate. 16 Gegentore auswärts bei diesem Gegner sind bemerkenswert, allein die nur 17 eigenen Treffer sind angesichts der guten Chancen über 60 Minuten hinweg folgenschwer.

TSH: Gerling, Knauer; Stephan 1, Wedrich 4/2, Bestle 2, Probst 7, Schneidereit 2, Mergner 1, Lang, Merz, Theobald, Mittelheisser, Küffner.

Bericht aus Nordbayerische Nachrichten von V.Schneller
© Foto: Athina Tsimplostefanak